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Führung KI-Infrastruktur Unternehmensführung

KI-Transformation: Ein Team führen ohne es zu verlieren

14. Mai 2024

Ich bekomme diese Frage regelmäßig von anderen Geschäftsführern: "Wie reagiert dein Team auf die ganzen KI-Veränderungen?" Die ehrliche Antwort ist: unterschiedlich. Und das Managen dieser Unterschiede ist die eigentliche Führungsarbeit.

Was mich 2023 überrascht hat

Ich hatte erwartet, dass die größte Skepsis aus den Reihen käme, die am direktesten von Automatisierung betroffen sind. Das war teilweise richtig, aber der stärkere Effekt war umgekehrt: Die stärkste Ablehnung kam von Mitarbeitenden mit langjähriger Expertise, die das Gefühl hatten, dass ihre Erfahrung entwertet wird.

Das ist eine Führungsfrage, keine Technologiefrage. Wenn jemand zehn Jahre SEO-Expertise aufgebaut hat und plötzlich ein Skript eine Erstanalyse macht, die früher sein Beitrag war, dann braucht es einen Rahmen, in dem diese Erfahrung sichtbar bleibt und mehr wert wird, nicht weniger.

Das Gespräch das ich in jedem Team geführt habe

Ich habe mit jeder Teamleitung einzeln gesprochen, bevor wir Systeme ausgerollt haben. Nicht über Features. Über Konsequenzen: Was ändert sich für deine Leute? Welche Aufgaben fallen weg? Welche entstehen neu? Wofür wird dein Team in Zukunft wirklich gebraucht?

Diese Gespräche haben echte Bedenken sichtbar gemacht, die ich sonst nicht gehört hätte. Und Teamleitungen wurden zu Mitgestaltern statt zu Betroffenen.

Das Ergebnis: Kein System wurde top-down ausgerollt. Jedes System wurde mit der jeweiligen Teamleitung entwickelt: Prozesse, Vorlagen, Qualitätskriterien.

Was nicht funktioniert hat

Pflichtmäßige KI-Schulungen. Wir haben es einmal versucht: ein Nachmittag "KI-Basics für alle". Das Ergebnis war erwartbar: Wer interessiert war, war ohnehin schon weiter. Wer skeptisch war, hat ein paarmal gegähnt und danach nichts geändert.

Was besser funktioniert: kleine Gruppen, konkrete Anwendungsfälle aus der eigenen Arbeit, Zeit zum Ausprobieren ohne Leistungsdruck.

Übertriebene Versprechen. "Das spart euch 50% Zeit" als Einführung eines neuen Tools schafft Misstrauen wenn das erste Mal 60 Minuten vergehen bis das Tool das tut was es soll. Lieber: "Das hilft bei diesem einen Schritt, probiert es aus und sagt uns was fehlt."

Was geblieben ist

Achtzehn Monate nach den ersten echten KI-Rollouts: Die meisten Mitarbeitenden die anfangs skeptisch waren, nutzen die Systeme inzwischen, nicht begeistert, sondern routiniert. Das ist das Ziel.

Die Begeisterung für neue Technologie brauche ich als Führungskraft. Mein Team braucht Werkzeuge die ihre Arbeit besser machen. Das sind zwei verschiedene Erwartungen. Ich tue gut daran, sie nicht zu verwechseln.

Die Führungsaufgabe bleibt dieselbe

KI-Transformation ist in der Substanz keine neue Führungsaufgabe. Es ist dieselbe Frage die bei jeder größeren Veränderung gilt: Wie schaffe ich einen Rahmen in dem Menschen sich entwickeln können, statt sich bedroht zu fühlen?

Was sich ändert, ist das Tempo. Und dass die Lücke zwischen denen die schnell lernen und denen die es nicht tun, größer und schneller sichtbar wird als bei früheren Technologiesprüngen.

Das macht es zur dringlicheren Führungsaufgabe, aber nicht zu einer anderen.

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