AI Act im Mittelstand: Wer auf die Hochrisiko-Frist wartet, wartet auf das Falsche.
Governance sitzt als Prüfschritt vor der Freigabe.
Die meisten Unternehmen im Mittelstand sind unter dem AI Act Betreiber, und für sie zählen heute vor allem zwei Pflichten: KI-Kompetenz der Beschäftigten und Transparenz bei veröffentlichten Inhalten.
Wer auf Dezember 2027 wartet, wartet auf Hochrisiko-Pflichten, die nach der Änderung vom Juli 2026 erst dann gelten und nur bestimmte Einsatzzwecke treffen, etwa Personalauswahl oder die Prüfung der Kreditwürdigkeit. KI-Governance gehört deshalb an die Stellen, an denen ein Ergebnis das Unternehmen verlässt und an denen Kosten entstehen. Den europäischen Rahmen setzt die Verordnung (EU) 2024/1689.
Im Alltag einer Agentur betrifft uns das Fachrecht unserer Kunden oft unmittelbarer als der AI Act. Deshalb habe ich Governance als Prüfschritt in die Abläufe gelegt, an die Stelle vor der Freigabe.
Der AI Act gilt längst, nur die Hochrisiko-Pflichten kommen später.
FolgerungKümmern Sie sich jetzt um KI-Kompetenz und Transparenz, und nutzen Sie die Zeit bis Dezember 2027, um Anwendungen mit möglichem Hochrisiko-Zweck einzustufen.
Der AI Act ist am 1. August 2024 in Kraft getreten und gilt gestaffelt. Seit dem 2. Februar 2025 sind bestimmte Praktiken verboten, und Artikel 4 verlangt KI-Kompetenz der Beschäftigten. Seit dem 2. August 2025 gelten die Pflichten für Anbieter von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck. Sie treffen in der Regel die Modellanbieter, nicht deren Nutzer. Seit dem 2. August 2026 gilt die Verordnung allgemein, darunter die Transparenzpflichten nach Artikel 50. Die Änderungsverordnung (EU) 2026/1744, der sogenannte AI-Omnibus, ist seit dem 27. Juli 2026 in Kraft. Sie verschiebt die Hochrisiko-Pflichten auf den 2. Dezember 2027, für KI in regulierten Produkten auf den 2. August 2028. Neu verboten sind ab dem 2. Dezember 2026 KI-Systeme, die intime Bilder realer Personen ohne Einwilligung oder Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs erzeugen. KI-Kompetenz und Transparenz gelten also schon heute, Hochrisiko-Pflichten erst ab Dezember 2027.
KI-Kompetenz und Transparenz gelten schon heute, Hochrisiko-Pflichten erst ab Dezember 2027.
Wer ein fremdes Modell einsetzt, ist Betreiber.
FolgerungLegen Sie eine Übersicht der eingesetzten Anwendungen an, mit Zweck, Daten, Rolle und Risikoklasse, auch für KI in Standardsoftware.
Die Verordnung unterscheidet Anbieter, die ein KI-System entwickeln und unter eigenem Namen in Verkehr bringen oder in Betrieb nehmen, und Betreiber, die es in eigener Verantwortung einsetzen. Die meisten Unternehmen und Agenturen sind Betreiber. Wer ein System unter eigenem Namen anbietet oder ein Hochrisiko-System wesentlich verändert, kann selbst zum Anbieter werden. Danach folgt die Einstufung je Anwendung: verbotene Praktiken, Hochrisiko-Systeme (etwa bei der Personalauswahl oder der Prüfung der Kreditwürdigkeit), Systeme mit Transparenzpflichten und Systeme mit minimalem Risiko. Ein Verzeichnis aller Anwendungen schreibt der AI Act Betreibern nicht allgemein vor. Ohne eine solche Übersicht lässt sich aber keine dieser Fragen beantworten. Sie gehört auch auf KI-Funktionen in Standardsoftware und Chat-Dienste, die Mitarbeitende selbst nutzen.
KI-Kompetenz lernt man an der eigenen Arbeit.
FolgerungSchulen Sie an den Aufgaben, deren Ergebnisse später geprüft werden.
Artikel 4 betrifft jedes Unternehmen, das KI einsetzt, unabhängig von der Risikoklasse. Seit der Änderung vom Juli 2026 müssen sie Maßnahmen ergreifen, die den Aufbau von KI-Kompetenz bei ihren Beschäftigten unterstützen. Ein bestimmtes Niveau je Person müssen sie nicht garantieren. Die Pflicht bleibt bestehen, verlangt aber Maßnahmen statt eines nachweisbaren Ergebnisses. Bei SUMAX haben wir dafür ein Schulungsprogramm aufgebaut, das mit echten Aufgaben aus dem jeweiligen Bereich arbeitet, und die Rollenbeschreibungen neu geschrieben. Wer ein KI-Ergebnis ungeprüft weitergibt, wird zum Durchreicher. Wo im eigenen Ablauf Fehler entstehen, sieht niemand an allgemeinen Beispielen.
Governance gehört vor die Freigabe.
FolgerungPrüfen Sie Branchenrecht und AI Act an derselben Stelle, bevor ein Inhalt das Haus verlässt.
Für Betreiber zählen vor allem zwei Transparenzpflichten aus Artikel 50 Absatz 4. Deepfakes, also KI-erzeugte oder veränderte Bilder, Töne und Videos, die fälschlich echt wirken, müssen erkennbar gekennzeichnet sein. KI-Texte, die die Öffentlichkeit über Fragen von öffentlichem Interesse informieren, müssen offengelegt werden. Das entfällt, wenn ein Mensch den Inhalt geprüft hat und jemand die redaktionelle Verantwortung für die Veröffentlichung trägt. Laut Kommission zählt auch die öffentliche Gesundheit zu diesen Fragen, und eine Rechtschreibkorrektur reicht als Prüfung nicht. Inhalte für Gesundheitskunden prüfen wir vor der Freigabe ohnehin gegen das Heilmittelwerbegesetz, gleich ob ein Mensch oder ein Modell den Entwurf geschrieben hat. Verletzt ein Entwurf eine Regel, geht er zurück. Die DSGVO gilt daneben weiter.
Ohne Regeln für Kosten und Rechte gibt es keine Governance.
FolgerungKlären Sie Rechte, Zugänge und Kostenzuordnung, bevor eine Anwendung in Betrieb geht.
Zur Governance gehört auch Geld. Bei SUMAX läuft jeder KI-Aufruf aus den eigenen Anwendungen über eine eigene Schicht zwischen Anwendungen und KI-Modellen und wird mit seinen Kosten gebucht. Rollen und Rechte regeln, wer welches Modell und welche Daten nutzen darf. Budgets begrenzen den Verbrauch. Dieselbe Schicht erlaubt, das Modell zu wechseln, ohne die Anwendungen umzubauen. Zuerst kam das Fundament für alle: Nutzer, Rechte und Zugänge, mit Sicherheit von Anfang an. Werkzeuge für einzelne Aufgaben kamen erst danach.
Fünf Fragen vor der nächsten Freigabe.
FolgerungGehen Sie die fünf Fragen durch, bevor die nächste KI-Anwendung in Betrieb geht, und beginnen Sie beim ersten Nein.
Eine Prüfliste für die Geschäftsleitung, keine Rechtsberatung.
- Ist für jede Anwendung klar, ob das Unternehmen Betreiber oder Anbieter ist?
- Gibt es eine Übersicht mit Zweck, Daten, Rolle und Risikoklasse, auch für KI in Standardsoftware und Chat-Diensten?
- Lernt das Team an den Aufgaben, deren Ergebnisse es später prüft?
- Wird vor der Veröffentlichung geprüft, ob ein Deepfake gekennzeichnet oder ein KI-Text offengelegt werden muss?
- Ist geregelt, wer welches Modell und welche Daten nutzen darf und was jede Anwendung kostet?
Jedes Nein ist eine offene Stelle. Die Einstufung eines konkreten Systems gehört zu Fachleuten für IT-Recht.
Aus der Praxis.
- Regeln im laufenden BetriebWie Kosten, Qualität und Recht bei SUMAX in die Abläufe eingebaut sind.
- KI-Qualitätssicherung: Prüfen heißt mehr als drüberschauenKI-Ergebnisse prüfen heißt, formale Gültigkeit und fachliche Brauchbarkeit getrennt zu bewerten. Wie Formatprüfung, Quellen und Fachurteil zusammenwirken.
Häufige Fragen
Müssen alle KI-generierten Texte gekennzeichnet werden?
Nein. Artikel 50 Absatz 4 verlangt eine Offenlegung bei veröffentlichten KI-Texten, die die Öffentlichkeit über Fragen von öffentlichem Interesse informieren; dazu zählt die Kommission auch die öffentliche Gesundheit. Die Pflicht entfällt, wenn ein Mensch den Inhalt geprüft hat und eine Person oder ein Unternehmen die redaktionelle Verantwortung für die Veröffentlichung trägt. Eine reine Rechtschreibkorrektur reicht dafür laut Kommission nicht. Deepfakes sind unabhängig davon zu kennzeichnen.
Ist ein Unternehmen, das KI-Werkzeuge nutzt, Anbieter oder Betreiber?
In der Regel Betreiber. Wer ein fremdes Modell im eigenen Ablauf einsetzt, betreibt es. Wer ein System unter eigenem Namen in Verkehr bringt oder ein Hochrisiko-System wesentlich verändert, kann selbst zum Anbieter werden.
Müssen Mitarbeitende geschult werden?
Ja, in angemessenem Umfang. Artikel 4 verlangt seit Februar 2025, dass Unternehmen, die KI einsetzen, Maßnahmen für die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten ergreifen, auch ohne Hochrisiko-Anwendung. Seit der Änderung vom Juli 2026 ist klargestellt, dass sie kein bestimmtes Niveau je Person garantieren müssen. Wirksam ist Schulung an den Aufgaben, deren Ergebnisse die Beschäftigten später prüfen.
Braucht ein Unternehmen einen KI-Beauftragten?
Der AI Act schreibt keinen KI-Beauftragten vor. Pflichten aus der DSGVO, etwa zum Datenschutzbeauftragten, bleiben unberührt. Sinnvoll ist trotzdem eine klare Zuständigkeit für die Übersicht der Anwendungen und für offene Fragen zur Einstufung.
Welche Bußgelder drohen, und wer beaufsichtigt den AI Act in Deutschland?
Bei verbotenen Praktiken bis 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, bei Verstößen gegen viele andere Pflichten, darunter die Transparenzpflichten, bis 15 Millionen Euro oder 3 Prozent; maßgeblich ist der höhere Betrag. Für kleine und mittlere Unternehmen gilt jeweils der niedrigere, für kleine Midcap-Unternehmen seit Juli 2026 ebenso, außer bei Verstößen gegen die Verbote. Zentrale Aufsicht in Deutschland ist seit dem 29. Juli 2026 die Bundesnetzagentur; für einzelne Bereiche wie Finanzdienstleistungen bleiben andere Behörden zuständig.
Ersetzt diese Seite eine rechtliche Prüfung?
Nein. Sie beschreibt den Stand im November 2026 und wie wir Governance im Betrieb organisieren. Die Einstufung eines konkreten Systems gehört zu Fachleuten für IT-Recht, auf Grundlage der aktuellen Fassung der Verordnung.
Quellen
- Europäische Kommission: AI Act und Zeitplan
- Europäische Kommission: FAQ zu den Transparenzpflichten nach Artikel 50
- Europäische Kommission: AI Act Service Desk
- EUR-Lex: Verordnung (EU) 2024/1689
- Verordnung (EU) 2026/1744 (AI-Omnibus), in Kraft seit 27.07.2026
- Bundesnetzagentur: Pressemitteilung vom 29.07.2026 zur KI-Aufsicht