Zum Inhalt

KI-Wissensmanagement im Mittelstand: Die KI findet nur, was im System steht.

KI-Wissensmanagement funktioniert nur mit Wissen, das im System steht; was in einem Kopf oder einer privaten Excel-Liste steckt, findet auch die beste KI nicht.

Üblich ist, eine Software mit Chatfenster über die vorhandene Ablage zu legen. Dann wird das Durcheinander schneller durchsucht, und die wichtigsten Abläufe fehlen weiter, weil sie nie jemand aufgeschrieben hat. Bei SUMAX arbeiten wir heute mit einem eigenen System, und die KI-Werkzeuge setzen auf demselben Fundament aus Nutzern und Rechten auf.

Stand English version

Prozesswissen gehört an einen Ort statt in einzelne Köpfe und verstreute Tabellen. Das System nimmt die Fleißarbeit ab, damit sich die Leute, die den Ablauf kennen, auf die Arbeit konzentrieren können, die ihnen Spaß macht.

Carl-Uwe Würfel, COO & Chief AI Officer

Erfahrungswissen entsteht über Jahre im Tagesgeschäft und steht in keiner Prozessbeschreibung. Im Alltag sieht man es nicht. Spürbar wird es, wenn bei der Urlaubsvertretung ein Vorgang wartet, weil nur eine Person weiß, wie er läuft, oder wenn Neue in der Einarbeitung immer dieselben Kollegen fragen. Bei einer Krankheit fehlt die Übergabe, und spätestens bei der Nachfolge verschwindet mit dem Ruhestand, was nie aufgeschrieben wurde. Mitarbeitende hören bei solchen Vorhaben schnell heraus, sie sollen austauschbar werden. Gemeint ist das Gegenteil. Wer einen Ablauf als einzige Person kennt, beantwortet dieselben Fragen jede Woche neu und kommt schlecht in den Urlaub. Steht das Wissen im System, übernimmt es diese Wiederholungsarbeit, und die Erfahrung der Person zählt dort, wo Urteil gefragt ist.

Die übliche Abkürzung ist eine KI-Suche über alles, was schon da ist: Laufwerke, Ordner, Wiki, Postfächer und alte Systeme. Technisch geht das. Die Antwort stützt sich per RAG auf Textstellen, die eine Suche vorher findet, meist über Embeddings in einer Vektordatenbank, die auch Treffer mit anderen Worten erkennt. Wer nach einer Reklamation fragt, findet dann auch das Dokument zur Kundenbeschwerde. Liegen aber zwei Fassungen derselben Anweisung in zwei Ablagen, kann die Antwort aus der falschen stammen, und was nie aufgeschrieben wurde, fehlt ganz. Bei SUMAX sind wir deshalb weg vom alten CRM und von den Excel-Listen, hin zu einem eigenen System. Erst wenn das Wissen an einem Ort liegt, können Vertretung, Neue und KI damit arbeiten.

Erst wenn das Wissen an einem Ort liegt, können Vertretung, Neue und KI damit arbeiten.

Links die heutigen Ablagen des Wissens: einzelne Köpfe, Excel-Listen, ein altes System sowie Ordner und Laufwerke. Liegen dort zwei Fassungen derselben Anweisung, kann die Antwort aus der falschen stammen. In der Mitte ein Ort, ein System mit Rechten je Person, einem Gültigkeitsdatum je Eintrag und der Quelle in jeder Antwort. Rechts, wer damit arbeitet: Urlaubsvertretung, Einarbeitung, Nachfolge und KI-Werkzeuge. Weitergegeben wird nur, was geprüft ist.

Ein Beispiel aus dem Sommer 2026. Für einen Kunden fällt bei uns wiederkehrende Lokalisierungs- und Prüfarbeit an. Wir haben sie in ein eigenes Modul gebracht, mit einem klaren Ziel: Das ganze Prozesswissen sollte an einem Ort liegen statt in einzelnen Köpfen und verstreuten Tabellen. Das Modul setzt auf dem Fundament auf, das alle unsere Werkzeuge teilen, also Nutzer, Rechte und Zugänge. Und es entstand wie alle unsere Werkzeuge mit den Menschen, die damit arbeiten. Bei uns kommt erst das Fundament für alle, dann ein Werkzeug für eine bestimmte Aufgabe, dann Gebündeltes wie unsere Kundenarchive. Ein Wissensmanagement für das ganze Haus auf einmal hat in dieser Reihenfolge keinen Platz. Es wächst Ablauf für Ablauf.

Ein Wissenssystem bündelt auch Vertrauliches, etwa Kundenverträge oder Personalunterlagen. Eine KI-Suche ohne Rechte macht daraus eine Abkürzung für alle. Das OWASP-Projekt führt dieses Risiko in seinen Top 10 für Anwendungen mit Sprachmodellen eigens auf und empfiehlt Zugriffsrechte, die bis in die Vektordatenbank reichen. Bei SUMAX kamen deshalb zuerst Nutzer, Rechte und Zugangsschlüssel für alle, mit Sicherheit von Anfang an, damit nicht jeder auf alles Zugriff hat. Erst danach kamen Werkzeuge für einzelne Aufgaben. Für eine Wissenssuche heißt das: Jede Antwort entsteht nur aus Unterlagen, die die fragende Person auch selbst öffnen dürfte. Welche personenbezogenen Daten überhaupt hinein dürfen, gehört in die KI-Governance.

Fehlt eine Antwort, fragt man nach. Kommt eine veraltete Antwort mit Quellenangabe, glaubt man ihr. Ein Sprachmodell erkennt nicht von selbst, ob eine Anweisung von gestern oder von vor Jahren gilt. Jeder Eintrag braucht deshalb ein Gültigkeitsdatum, und die Pflege braucht Zeit im Arbeitsalltag des Fachbereichs, der den Ablauf kennt. Passend dazu beschreibt die Norm ISO 30401 Wissensmanagement als Managementsystem, das laufend überprüft und verbessert wird. Für personenbezogene Daten verlangt die DSGVO in Artikel 5 ohnehin, dass sie sachlich richtig und, wo nötig, auf dem neuesten Stand sind. Auch Prompts sind Prozesswissen und gehören mit Version und Prüfbeispielen an denselben Ort. Die Quelle in der Antwort macht die Prüfung schnell. Weitergegeben wird eine Antwort erst nach dieser Prüfung.

Der Einstieg ist eine Liste der wichtigsten Abläufe eines Bereichs. Zu jedem Ablauf gehören vier Angaben: wer ihn heute vollständig erklären kann, wo er steht (Kopf, Excel-Liste, altes System oder Ordner), wann ihn zuletzt jemand geprüft hat und was er im Jahr ungefähr kostet, als Größenordnung. Dann stelle ich jedem Ablauf drei Fragen. Hängt das Wissen an einer einzigen Person? Wurde es seit Jahren nicht mehr geprüft? Steckt es in einem der teuersten Abläufe? Wo zwei oder drei Fragen zutreffen, beginnt die Arbeit. Dieser eine Ablauf kommt an einen Ort, bekommt Rechte und ein Gültigkeitsdatum, und die Person, die ihn kennt, prüft die ersten Antworten der KI. Danach folgt der nächste Ablauf auf der Liste.

Häufige Fragen

Was ist KI-Wissensmanagement?

KI-Wissensmanagement verbindet das gesammelte Wissen eines Unternehmens mit einem Sprachmodell, das Fragen in eigenen Worten beantwortet und dabei die Quelle nennt. Die Grundlage bleiben Dokumente, Prozessbeschreibungen und Daten an einem Ort, mit Rechten und Gültigkeitsdatum. Was nie aufgeschrieben wurde, findet auch die KI nicht.

Was unterscheidet KI-Wissensmanagement von einem Wiki?

Ein Wiki speichert Wissen, gefunden wird es über Stichworte und Gliederung. KI-Wissensmanagement nutzt dieselben Inhalte, versteht aber Fragen in eigenen Worten und fasst die passenden Stellen zu einer Antwort mit Quelle zusammen. Die Pflege bleibt dieselbe Arbeit. Ein veraltetes Wiki wird mit KI zu einem veralteten Wiki, das überzeugend antwortet.

Wie funktioniert RAG im Wissensmanagement?

Bei Retrieval-Augmented Generation, kurz RAG, sucht ein System vor der Antwort die passenden Textstellen aus den eigenen Unterlagen und gibt sie dem Sprachmodell als Kontext mit. Forscher um Patrick Lewis haben das Verfahren 2020 beschrieben. So kann die Antwort die Stelle nennen, auf die sie sich stützt. Ob die Stelle die Aussage trägt, zeigt erst der Abgleich durch einen Menschen.

Wie kommt Erfahrungswissen aus den Köpfen ins System?

Am besten im laufenden Betrieb, während die Person den Ablauf ausführt, statt in einem großen Dokumentationsprojekt. Sie erklärt, was sie tut und warum, eine KI schreibt mit und gliedert, und die Person prüft das Ergebnis. Mitschreiben und Gliedern übernimmt die Maschine, das Urteil über richtig und falsch bleibt bei der Person, die den Ablauf kennt.

Kann eine KI-Suche vertrauliche Dokumente verraten?

Ja, wenn die Rechte nicht bis in die Suche reichen. Dann kann eine Antwort Inhalte aus Unterlagen enthalten, die die fragende Person selbst nicht öffnen dürfte. Deshalb kommen Nutzer, Rechte und Zugänge zuerst und die Dokumente danach. Die KI arbeitet mit den Rechten der Person, die fragt.

Sollte man KI-Wissensmanagement kaufen oder selbst bauen?

Gekaufte Software ist schnell im Einsatz, dafür legt der Anbieter fest, welches Modell arbeitet und wie abgerechnet wird. Selbst bauen ist mit KI deutlich billiger geworden, der Betrieb bleibt Arbeit. Bei SUMAX haben wir mehrere zugekaufte Werkzeuge durch Eigenentwicklungen ersetzt, und über eine eigene Schicht lässt sich das Modell jederzeit wechseln. Aufbereitung und Pflege des Wissens fallen in beiden Fällen an, die nimmt Ihnen keine Software ab.

    ↑ ↓ wählen · Enter öffnen · Esc schließen